Heinz Gappmayr

Der meditative Charakter der Bilder von Andrea Bischof steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Prozeß der Herstellung und den verwendeten Materialien. Die Künstlerin arbeitet aus der Tiefe der Fläche. Der vorgefertigte komplexe farbige Grund wird übermalt, die über die Fläche verteilten Inseln und Punkte aus helleren oder dunkleren Farben sind weitgehend ausgespart und nicht aufgesetzt. Die farbige Oberfläche erscheint als Schichtung. Alles Kompakte ist aufgehoben. Der Untergrund ist präsent, aber nicht sichtbar. Das Schwebende und Verborgene sind die eigentliche Substanz der Bilder von Andrea Bischof, strukturiert durch die Instabilität der Formen und die intuitiv verteilten farbigen Akzente. Die Arbeiten unterscheiden sich wesentlich voneinander durch die Farbe, aber auch durch die unterschiedliche Gewichtung der Details.

Diesem künstlerischen Konzept entspricht in einer anderen Werkgruppe die Verwendung von Seidenpapier. Durch das Wasser löst sich auf dem höchst empfindlichen Material die Farbe auf und bildet eine informelle Struktur, die entweder in freie, kurvige Figurationen einbezogen wird oder unbearbeitet bleibt.

Transparenz thematisiert wird durch die Künstlerin auch in übereinandergeschichteten Bögen von Seidenpapier mit abstrakten Formen, deren abgestufte Grauwerte eine Tiefenraum in der Fläche suggerieren.

Die Formen sind nicht gezeichnet, sondern genäht. Die Verbindung von Nähfäden mit dem Seidenpapier ist angesichts der materialen Empfindlichkeit von besonderem Reiz.

Andrea Bischof geht es in ihrem subtilen Werk um die Differenzierung der Beziehung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. Die Wahl der Materialien und ihre Entsprechung in der Struktur und den Farben spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie legt sich nicht auf ein bestimmtes Schema fest, sondern ermöglicht es, den Weg von der Entstehung bis zum endgültigen Zustand des Bildes nachzuvollziehen. Alles bleibt offen, das einzelne Werk geht weder auf Distanz zu ihren anderen Arbeiten, noch zum Betrachter. Die Künstlerin dringt in immer neuen, oft sehr konträren Ansetzen zu jenem Grund vor, der sich der Diskursivität entzieht, ohne ins Beliebige abzugleiten. Gerade in dieser Stabilität und Klarheit bei sensibelsten Mitteln wird die hohe Qualität ihrer Bilder sichtbar.

Heinz Gappmayr